Eine neue Studie der Technological University of the Shannon (Irland) zeigt: Bitcoin-Mining könnte helfen, die Wirtschaftlichkeit von Windparks deutlich zu verbessern – indem es Windstrom nutzt, der sonst ungenutzt verpufft.
Irland baut seine Windkraftkapazität bis 2030 auf 13 Gigawatt aus, doch das Stromnetz kommt mit dem Tempo nicht mit. Die Folge: Immer mehr Windstrom muss abgeregelt werden, also gar nicht erst eingespeist werden. Lag die Abregelungsquote 2014 noch bei rund 5 %, waren es 2024 bereits 10,1 % (1,3 TWh) und 2025 sogar 11,4 % der verfügbaren Windenergie.
*Anteil des abgeregelten Windstroms in Irland, 2014–2025. Quelle: EirGrid / TUS-Studie
Die Forscher simulierten einen 100-MW-Windpark mit angeschlossenen Mining-Anlagen unterschiedlicher Größe (5–90 MW) in fünf Betriebsszenarien, basierend auf echten Daten zu Windgeschwindigkeit, Strompreisen, Abregelung und Netzwerk-Hashrate aus dem Jahr 2024.
Das Ergebnis: Eine 20-MW-Mining-Anlage könnte 83,1 % des sonst abgeregelten Stroms nutzen, bei 25 MW sind es rund 90 %, bei 30 MW etwa 93 %. Ab 60 MW ließe sich die abgeregelte Energie fast vollständig verwerten.
*Anteil des abgeregelten Windstroms, der von der Mining-Anlage verbraucht wird, nach Anlagengröße. Quelle: TUS-Studie (ScienceDirect)
Wirtschaftlich lohnt sich das Mining allerdings nur, wenn es nicht ausschließlich auf abgeregelten Strom setzt: Bei reiner Nutzung von Überschussstrom läge die Auslastung einer 20-MW-Anlage bei nur 16 % – zu wenig, um die Investitionskosten von 34,7 Millionen Euro zu rechtfertigen. Flexible Betriebsmodelle, die zusätzlich regulär eingespeisten Strom mit einbeziehen, erreichen dagegen 31–76 % Auslastung und amortisieren sich in 2,2 bis 4,4 Jahren.
Im günstigsten Szenario mit einer 20-MW-Anlage steigen die Gesamteinnahmen des Windparks um 32 %, von 22,2 auf 29,2 Millionen Euro. Bei 30 MW liegt das Plus sogar bei 40 % (31,1 Millionen Euro). Entscheidend ist dabei moderne, effiziente Mining-Hardware: Nur Geräte wie der Antminer S21 Hydro (16 J/TH) sind rentabel, ältere Modelle wie der S9 (98 J/TH) sind dafür zu ineffizient.
*Jahreseinnahmen des simulierten 100-MW-Windparks, Referenz vs. mit Mining (Szenario S2). Quelle: TUS-Studie (ScienceDirect)
Fazit der Studie: Bitcoin-Mining kann Windparks eine zusätzliche, flexible Einnahmequelle verschaffen und so indirekt auch Investitionen in den dringend nötigen Netzausbau erleichtern. Ob sich das im Einzelfall lohnt, hängt von der richtigen Dimensionierung der Anlage, der Hardware-Effizienz sowie regulatorischen und Marktbedingungen ab.


