Index-Anbieter MSCI will "nicht-operative" Firmen aus seinen Indizes werfen – ein Vorschlag, der vor allem Strategy (ehemals MicroStrategy) treffen würde. Am 31. August 2026 antworteten Strategy-Gründer Michael Saylor und CEO Phong Le mit einem offenen Brief. Wir ordnen ein, worum es geht, was auf dem Spiel steht und wie es jetzt weitergeht.
Worum es geht
MSCI hat im August 2026 einen neuen Vorschlag veröffentlicht, der Bitcoin-Treasury-Firmen wie Strategy und Metaplanet aus seinen Indizes ausschließen würde – ein Ethereum-Halter landet zusätzlich auf der Beobachtungsliste. Es ist bereits der zweite Anlauf: Einen fast identischen Vorschlag hatte MSCI schon im Dezember 2025 vorgelegt und am 6. Januar 2026 nach Kritik wieder zurückgezogen.
Der Streitpunkt: eine Bilanzierungsfrage
Im Kern geht es um eine Rechenmethode. MSCI stuft eine Firma als "nicht-operativ" ein, sobald bestimmte Kosten mehr als 5 % der Bilanzsumme ausmachen. Zählt man Bitcoins Wertschwankungen als "operative Kosten" mit – wie es MSCIs Methode vorsieht – kommt Strategy auf rund 44 %. Rechnet man diese Bilanzierungslogik heraus, liegt der Wert bei nur 0,37 % – weit unter der Schwelle. Genau hier setzt Strategys Kritik an.
Der offene Brief
In ihrem Brief vom 31. August 2026 nennen Saylor und Le den Vorschlag "misguided, flawed, and conflicts with established securities laws and accounting principles". Ihr Hauptargument: Strategy beschäftigt weltweit rund 1.500 Mitarbeiter und stuft sein Bitcoin-Geschäft selbst als operatives Segment ein – von einer "nicht-operativen" Firma könne also keine Rede sein.
Was auf dem Spiel steht
Laut Strategys eigener Rechnung wären insgesamt rund 27,5 Mrd. $ an Marktkapitalisierung über sechs betroffene Firmen hinweg betroffen, davon entfallen rund 87 % allein auf Strategy. Das Unternehmen hält aktuell rund 846.000 BTC (Stand 30. Juni 2026 rund 49,67 Mrd. $ wert). Strategy selbst betont, dass nur 3,1 % der MSTR-Aktien überhaupt in MSCI-gebundenen ETFs liegen. Trotzdem rechnet JPMorgan mit Verkaufsdruck: rund 2,8 Mrd. $ bei einem reinen MSCI-Ausschluss, bis zu 8,8 Mrd. $, falls Strategy zusätzlich aus Nasdaq 100, dem CRSP US Total Market Index und diversen Russell-Indizes fliegen sollte.
Der Zeitplan

Die öffentliche Konsultation läuft noch bis zum 30. September 2026. MSCI will sein Ergebnis spätestens bis zum 16. Oktober bekanntgeben. Fällt die Entscheidung zugunsten des Ausschlusses aus, könnten die Änderungen ab dem 11. November angekündigt und zum 1. Dezember 2026 wirksam werden.
Die Marktmeinung

Auf der Prognoseplattform Polymarket wird aktuell mit 83 % eingepreist, dass Strategy noch 2026 aus dem MSCI-Index fliegt – im März 2026 lag dieser Wert noch bei 77 %.
Einordnung
Strategy selbst sagt: Ein Ausschluss hätte praktisch keine Auswirkung auf das operative Geschäft, da nur ein kleiner Teil der Aktien überhaupt in MSCI-gebundenen Fonds liegt. Spannend bleibt trotzdem, ob ausgerechnet die Bitcoin-Bilanzierung zum Präzedenzfall dafür wird, wie Indexanbieter künftig mit Digital-Asset-Firmen umgehen.
*Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage- oder Rechtsberatung dar.
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